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Janik Schneider hält einer Klientin einen Stift vor Augenhöhe, während sie den Blick darauf hält

Deine Schmerzen sitzen im Rücken, und wir schauen auf deine Augen?

Du kommst mit Rückenschmerzen. Oder mit einer Hüfte, die seit Monaten zieht. Und dann setze ich mich vor dich, halte einen Stift hoch und bitte dich, ihm mit den Augen zu folgen.

Der Gedanke „was hat das denn damit zu tun" ist an dieser Stelle völlig berechtigt. Fast alle stellen ihn, und er verdient eine ordentliche Antwort. Genau die versucht dieser Beitrag.

Sehen ist nur die halbe Aufgabe

Die meisten Menschen denken bei Augen an Sehschärfe. Kann ich das Straßenschild lesen, brauche ich eine Brille, sind die Zahlen beim Optiker in Ordnung.

Das ist eine Aufgabe der Augen. Sie haben noch eine zweite, über die selten gesprochen wird: Sie melden dem Gehirn laufend, wo du bist und wie du dich bewegst. Wo ist oben. Bewegt sich der Raum oder bewege ich mich. Wie weit ist dieser Gegenstand entfernt. Diese Informationen laufen ohne dein Zutun, den ganzen Tag, mit jedem Blickwechsel.

Das Nervensystem braucht sie, um Bewegung zu steuern. Wer nicht weiß, wo oben ist, kann Muskelspannung nicht sinnvoll verteilen.

Das Gehirn vergleicht, es glaubt nicht einfach

Für die Frage „wo bin ich" hat dein Nervensystem mehrere Quellen: die Augen, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Rückmeldung aus Gelenken und Muskeln, die Fußsohlen, der Kiefer. Diese Quellen werden nicht einzeln abgearbeitet, sondern gegeneinander abgeglichen.

Solange sie zusammenpassen, merkst du davon nichts. Passen sie nicht zusammen, muss das Gehirn entscheiden, welcher Quelle es folgt. Und es muss den Körper trotzdem sicher durch den Tag bringen. Wie diese Systeme zusammenarbeiten, habe ich in vier Systeme, die deine Bewegung bestimmen ausführlicher beschrieben.

Eine Möglichkeit, mit widersprüchlichen Informationen umzugehen, ist mehr Spannung. Mehr Spannung heißt mehr Kontrolle, und mehr Kontrolle fühlt sich für ein unsicheres System erst einmal richtig an. Auf Dauer ist das anstrengend.

Was das ausdrücklich nicht heißt

Es geht nicht darum, zu sagen: deine Rückenschmerzen kommen von deinen Augen. Dieser Satz wäre genauso schief wie „deine Rückenschmerzen kommen von deinem Bandscheibenvorfall" oder „von deiner schlechten Haltung".

Chronische Beschwerden haben in der Regel keine einzelne Ursache, die man findet und wegnimmt. Sie entstehen aus einem Zusammenspiel, und die Frage ist nicht „wer ist schuld", sondern: welche Informationen verarbeitet dein Nervensystem gerade, und wie reagiert dein Körper darauf.

Bei manchen Menschen spielt die Augensteuerung dabei eine Rolle. Bei anderen sind es die Füße, der Kiefer, das Gleichgewicht oder etwas ganz anderes. Das ist individuell, und genau deshalb wird es getestet und nicht vorausgesetzt.

Woran du im Alltag etwas merken kannst

Es gibt Situationen, in denen die Augen mehr leisten müssen als sonst. Stundenlange Bildschirmarbeit auf gleicher Distanz. Lesen bei schlechtem Licht. Autofahren im Dunkeln. Ein langer Tag ohne Blick in die Ferne.

Manche Menschen bemerken, dass ihre Beschwerden nach solchen Tagen deutlicher sind. Andere bemerken es nie, weil der Zusammenhang zeitversetzt ist und niemand ihn erwartet.

Das ist kein Beweis für irgendetwas. Es ist ein Hinweis, den man prüfen kann.

Ein Beispiel: das Zusammenführen des Blicks

Wenn ein Gegenstand näher kommt, müssen sich beide Augen leicht nach innen bewegen, damit du ihn weiterhin scharf und einfach siehst. Das nennt sich Konvergenz und passiert unzählige Male am Tag, ohne dass du es steuerst.

Im Coaching schauen wir uns diese Bewegung an: Führt der Blick sauber mit. Bricht er an einer bestimmten Stelle ab. Wird es unangenehm, bevor der Finger die Nase erreicht. Kommt ein Auge nicht mit.

Bei manchen Menschen verändert sich die Beweglichkeit unmittelbar, nachdem an dieser Steuerung gearbeitet wurde, zum Beispiel bei einer eingeschränkten Hüfte. Bei anderen passiert nichts. Beides ist eine Information, und beides ist wertvoll: Was nichts ändert, muss auch nicht trainiert werden.

Die Augen arbeiten nicht allein

Es gibt einen Grund, warum ich bei Schwindel und Unsicherheit besonders genau auf die Augen schaue: Augen und Innenohr sind über Reflexe direkt verschaltet. Drehst du den Kopf, müssen die Augen exakt gegenläufig mitgehen, damit das Bild stehen bleibt. Das läuft in Millisekunden und ohne bewusste Steuerung.

Funktioniert dieses Zusammenspiel weniger sauber, kann das Ergebnis alles Mögliche sein: ein unsicheres Gefühl beim Gehen, Benommenheit im Supermarkt, Druck hinter den Augen am Abend. Menschen beschreiben es oft als „schwer zu greifen", und häufig kommt bei den Untersuchungen kein Befund heraus.

Auch hier gilt: Das erklärt nicht jeden Schwindel, und es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es ist ein Bereich, in dem sich Nachsehen bewährt hat, wenn neurozentriertes Training überhaupt in Frage kommt.

Warum zuerst getestet und dann trainiert wird

Aus dieser Unterschiedlichkeit folgt die wichtigste Regel meiner Arbeit: Es gibt kein Übungsprogramm, das für alle passt. Ein Reiz, der bei einem Menschen die Bewegung verbessert, kann bei einem anderen gar nichts tun.

Deshalb wird im Ersttermin getestet, welche Reize dein Nervensystem gerade als hilfreich einordnet. Erst danach entsteht ein Plan. Mehr dazu, wie ich dabei vorgehe, steht auf der Seite zu meiner Methode.

Der Nebeneffekt: Du merkst schon im Termin, ob eine Richtung etwas bei dir bewegt. Du musst nicht sechs Wochen üben und hoffen.

Wann du zuerst zum Arzt gehörst

Alles hier Beschriebene ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine medizinische Untersuchung. Ich bin Coach, nicht Arzt. Wenn du Beschwerden hast, die neu sind, sich verändern oder dich beunruhigen, gehört das ärztlich angesehen, und zwar vor allem anderen.

Für die Augen selbst gilt dasselbe: Fragen zur Sehleistung, zum Augeninnendruck oder zur Brille beantwortet der Optiker oder die Augenärztin. Das eine schließt das andere nicht aus, es sind zwei verschiedene Blickwinkel auf dasselbe Organ.

Was du daraus mitnehmen kannst

Wenn du seit Jahren Beschwerden hast, viele Untersuchungen hinter dir und trotzdem keine Erklärung, dann liegt das nicht zwingend daran, dass etwas übersehen wurde. Es kann auch daran liegen, dass an einer Struktur gesucht wurde, während es um Steuerung geht.

Die Augen sind dabei nur ein Zugang von mehreren. Sie sind ein besonders naheliegender, weil sie so viel Information liefern und weil so selten jemand nachsieht. Ähnlich funktioniert das übrigens beim Kiefer und bei den Füßen, wie im Beitrag zu deinem Fußabdruck beschrieben.

Und falls du am Ende doch nur wissen willst, warum ich mit einem Stift vor deinem Gesicht herumwedele: weil deine Augen dem Gehirn den ganzen Tag erzählen, wo du bist. Und weil es sich lohnt zu prüfen, ob diese Erzählung stimmt.

Du hast Beschwerden, für die niemand eine Erklärung findet?

Dann finden wir gemeinsam heraus, welche Systeme bei dir eine Rolle spielen. Melde dich gern für einen Ersttermin.

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